Ali Enterprises – Klage vor dem Dortmunder Landgericht

Aktuell wird in den Medien erneut die Klage gegen KiK vor dem Dortmunder Landgericht diskutiert. Es geht um den Brand in der pakistanischen Fabrik Ali Enterprises vor fünf Jahren – eine Fabrik in der auch KiK produzieren ließ. Wir veröffentlichen diesen Beitrag nicht um zu bestreiten, dass es eine verheerende Tragödie war, die sich niemals wiederholen darf, aber wir möchten gerne einige Fakten darlegen, die in der Öffentlichkeit derzeit nicht bekannt sind.

Fakt ist: Es handelte sich um einen Brandanschlag

Laut einem Gutachten pakistanischer Sicherheits- und Geheimdienstbehörden, das von pakistanischen Gerichten anerkannt wurde, handelte es sich bei dem Brand um Brandstiftung mit hoher krimineller Energie. Da sich der Fabrikbesitzer geweigert hatte, Schutzgeld an örtliche Funktionäre der MQM-Partei zu bezahlen, machten diese ihre Drohung wahr und setzten die Fabrik in Brand. Dazu legten sie an zentralen Stellen, unter anderem an Fluchtwegen, Feuer, das sich in Windeseile ausgebreitet hat, da zusätzlich chemische Brandbeschleuniger eingesetzt wurden. Auch der Zeitpunkt des Brandes war taktisch gewählt: Es war Zahltag in der Fabrik, daher befanden sich viele Arbeiter im Gebäude.

Wir haben insgesamt vier Audits in der Fabrik durchführen lassen. Gravierende Mängel beim Brandschutz wurden nicht festgestellt. Die Fabrik besaß Notausgänge und Fluchtwege auf jeder Etage. Diese waren jedoch wegen des Brandsatzes unpassierbar.

Eines ist ganz klar: Die besten Maßnahmen und das größte Engagement greifen nicht, wenn eine Fabrik Opfer eines gezielten Brandanschlages wird. Vor einem derart kriminellen Akt ist niemand geschützt.

Veröffentlichung einer Simulation durch Forensic Architectures

Die Simulation geht von falschen Fakten aus und negiert völlig den Fakt der Brandstiftung mit multiplen Brandherden mit Brandbeschleunigern. Für das laufende Gerichtsverfahren ist er als Beweismittel unerheblich. Eine derartige Unfallrekonstruktion müsste vom Gericht durch unabhängige Sachverständige angeordnet werden. Gegenwärtig wird die Frage der Verjährung geprüft. In der Hauptsache wird daher gegenwärtig überhaupt nicht ermittelt. Der Film ist aus prozessrechtlicher Sicht aktuell unbrauchbar.

Was tut KiK, damit sich ein derartiges Unglück nicht wiederholt?

Seit dem Einsturz des Rana Plaza Gebäudes in Bangladesch ist das Thema Gebäudesicherheit sehr viel stärker in den Fokus aller Bekleidungsmarken gerückt. Der sog. „Accord on Building and Fire Safety“, den 2013 rund 200 Unternehmen, Gewerkschaften und NGOs unterschrieben haben, hat sich zum Ziel gesetzt, den Brandschutz und die Gebäudesicherheit in den Fabriken zu untersuchen und zu verbessern. Hier ist in den letzten fünf Jahren viel erreicht worden.

Da die Aspekte Gebäudesicherheit und Brandschutz auch bei pakistanischen Fabriken ein wichtiges Thema sind, hat KiK im Jahr 2017 auf eigene Initiative ein Programm für seine rund 35 pakistanischen Zulieferer aufgesetzt. Ein von uns beauftragtes renommiertes Ingenieurteam inspiziert alle unsere Zulieferer und erstellt konkrete Sanierungspläne. Die Kosten für die Inspektionen übernimmt KiK, die Sanierungsmaßnahmen bezahlt der Fabrikeigentümer, dem die Verantwortung für die Sicherheit seiner Beschäftigten obliegt. Dieses Programm macht gute Fortschritte und soll Anfang 2019 abgeschlossen sein.

Auch im Rahmen des Textilbündnisses, in das wir im Juni 2015 eingetreten sind, werden diese Fragen diskutiert. KiK gehört hier zu den engagierten Mitgliedern. Wir sind in allen Arbeitsgruppen vertreten. Wir haben als eines von 25 Mitgliedern unsere Maßnahmenplanung (Roadmap) fristgerecht eingereicht und bestanden. Und als eines von 34 Mitgliedern sogar freiwillig veröffentlicht.

Sollten Sie zu dem Thema weitere Fragen haben, können Sie sich über kommunikation@kik.de bei uns melden.

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